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Frostpunk Test – Überleben auf der Konsole

Das Überleben in der Eiszeit

Bereits am 24. April 2018 erschien die ursprüngliche Version von Frostpunk für den PC. Von der Community gefeiert erschien nun auch die Console Edition für PS4 und Xbox. Doch kann das Spiel auf der Konsole genau so überzeugen? In der Vergangenheit übernahmen sich schon viele Entwickler mit der Umsetzung eines Strategiespiels auf der Konsole. Durch viele Einstellungen, Optionen und die diversen Möglichkeiten, die ein Strategiespiel bietet, ist die Steuerung hier oft schwierig auf die Konsole zu portieren. Und kann das Spiel überhaupt auf der Konsole so zünden, wie im April 2018 auf PC? Wir haben es getestet.

Der polnische Entwickler 11 bit studios – bekannt auch für „This War of Mine“ – hat sich ein großes Projekt vorgenommen. Dazu kündigte er bereits im Voraus an, das beste Strategiespiel auf der Konsole zu bringen. Ein ambitioniertes Ziel. Wir schauen uns die Einzelheiten und die Umsetzung genau an. Aber zuerst zur Story.

Storysetting

Der einzeln auswählbare Storypfad des Spiels erzählt eine Geschichte mit schönen, eindrucksvollen Bildern einer Zivilisation, die ums Überleben kämpft. Dabei kommt man ohne gesprochene Dialoge aus und setzt eher auf Bilder zum Näherbringen des Endzeit-Szenarios. Dazu wird einiges, auch auf deutscher Sprache, erklärt und nach und nach eine gewisse Geschichte erzählt.

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Die Optik mit schönen Details verleiht dem Spiel eine eigene Atmosphäre. Quelle: 11 bit studios

Die Menschheit steht vor dem Aussterben. Eine Eiszeit kam wie aus dem Nichts und überrollte die Erde. Nur wenige Menschen konnten überleben – fürs Erste. Der Kälte und dem dynamischen Wetter trotzend muss der Spieler also versuchen, die Bevölkerung am Leben zu halten. Dabei kann es auch Mal -70 °C werden.

Da die Eiszeit der Zivilisation alle bisherigen Errungenschaften nahm, muss nun eine neue, kleine Welt erschaffen werden. Alles fängt mit einem dampfbetriebenen Heizwerk in der Mitte des Karte an. Möglichst dicht herum – wegen der ausstrahlenden Wärme – baut man nun die ersten Zelte, Sanitätsstationen und Sammelstellen für Rohestoffe auf. Der wichtigste Rohstoffe ist dabei Kohle, ohne die nichts dampfbetriebenes laufen würde und die Einwohner schnell erfrieren würden.

Auch wichtig, um überhaupt bauen zu können, sind Holz und Stahl. Natürlich muss auch für die Nahrung der Bürger gesorgt sein. Nach und nach baut man sich also die Bevölkerung auf, trotzt den Widrigkeiten der Eiszeit und vergrößert sein Dorf mit der Zeit. Dabei kann man neue Technologien und Gebäude erforschen. Mit Technologien macht man zum Beispiel das Heizen oder die Rohstoffgewinnung effizienter. Auch die gesundheitliche Versorgung oder eine bessere Unterkunft ist bei den Technologien wichtig zu erforschen. Fängt man noch mit Zelten für je 10 Bürger an, kommen später immer besser gedämmte und wetterbeständigere Unterkünfte hinzu. Die Einwohner selbst findet man hauptsächlich durch Expeditionen rund um das Lager. Hier lassen sich auch wichtige Ressourcen finden.

Gesetz ist Gesetz

Neben den Technologien ist auch die Gesetzgebung ein wichtiges Element für die Zivilisation. Man kann hier die Politik des Dorfes entscheiden. Vergräbt man Verstorbene einfach nur oder errichtet man einen Friedhof? Die Entscheidungen bringen jeweils verschiedene Vor- und Nachteile mit sich. Diese wirken sich meist auf die beiden wichtigen Indikatoren „Hoffnung“ und „Unzufriedenheit“ aus. Dabei sollte erstes möglichst hoch und zweites möglichst niedrig sein, damit die Gefolgschaft auch an euch als Herrscher glaubt und euren Entscheidungen folgt. Sonst kommt es auch schnell dazu, dass ihr Angehörige eures Volkes verliert, da die Unzufriedenheit siegt und keine Hoffnung mehr für ein Überleben besteht. Dann ziehen viele der kostbaren Einwohner nämlich auf eigene Faust weiter.

Das Gesetzesnetzwerk ist ähnlich den Technologien nach dem Techtree-Prinzip aufgebaut. Führt man zum Beispiel anfangs Kinderarbeit für einfache Tätigkeiten ein, ist der nächste Schritt im Techtree die Ausführung von schwierigeren Tätigkeiten durch Kinder. Oder die Einführung von Gotteshäusern führt zu Glaubenshütern, die für Ordnung im Volk sorgen sollen.

Ein ausgeklügeltes System zwischen Technologie und Gesetz schafft demnach den Rahmen für das Überleben der Bevölkerung. Dabei kann man sich zwischen vielen, teils schwerwiegenden Möglichkeiten entscheiden und dadurch das Schicksal der Bevölkerung bestimmen.

Multitasking gewinnt

Auch wichtig im Spiel ist, alles gleichzeitig unter einen Hut bringen zu können. So muss zu aller erst die Kohleversorgung gesichert sein. Man benötigt aber dennoch genügend Arbeiter für die Holz- und Stahlbeschaffung. Auch bei der Jagd benötigt man Arbeiter. Hier kommt einem zum Beispiel das Gesetz der Kinderarbeit deutlich zu Gute – auch wenn es sich nicht sonderlich schön anhört und moralische Fragen aufwirft.

Dazu muss man noch schauen, dass alle Bewohner eine Unterkunft haben. Diese sollte dann im Idealfall auch ausreichend beheizt sein . Dies verbraucht wiederum stündlich einen gewissen Betrag an Kohle. Natürlich muss auch die Gesundheitsversorgung mit Sanitätsstationen, Krankenhäusern und Pflegeheimen möglichst gedeckt sein. Auch hier wird umfangreich Personal benötigt. Daher sollte man auch nebenbei immer ein Auge auf die derzeitigen Expeditionen haben, um auch neue Bürger aus der Wildnis zu retten. Diese dienen dann als wichtige Arbeitskraft. Sie verbrauchen aber auch zusätzliche Nahrung.

Es ist demnach alles ein Kreislauf, in dem man möglichst alle Einzelheiten miteinander abstimmen sollte. So läuft im Idealfall alles wie ein kleines Uhrwerk ineinander. Eine richtige Zivilisation eben.

Steuerung

Besonders kritisch bei Strategiespielen auf der Konsole sind die meisten beim Thema Steuerung. Schnelle Entscheidungen treffen und Optionsmenüs durchblättern kann man via Shortcuts auf der Tastatur und einen schnellen Cursor auf dem PC doch recht gut.

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Eines der cleveren Menüs zur Steuerung. Quelle: 11 bit studios

Aber hier hat 11 bit studios tatsächlich nicht zu wenig versprochen. Clevere Menüs mit Untermenüs über die Stirntasten bieten eine wichtige Grundlage. So hat man meist ein kreisförmig angeordnetes Menü, welches man mit dem Stick in der jeweiligen Richtung auswählen kann. Dazu kann man die Zeit durch die Pfeiltasten steuern. Ganz gewohnt mit dem linken Stick bewegt man sich durch die Spielwelt. Der rechte Stick dient zur Einstellung des Kamerawinkels.

Der Cursor reagiert schnell, aber dennoch genau. So hilft er durch einen „magnetischen Effekt“, die jeweiligen Menüs, Gebäude oder Straßen zielsicher auszuwählen. Es reicht durch diese Unterstützung grob in die Gegend der Auswahl zu gehen. Natürlich ist dies ein ganz anderes Gefühl als mit einer Tastatur und Maus. Nach ein paar Stunden der Eingewöhnung fühlt man sich allerdings bereits sehr wohl damit und navigiert blitzschnell durch die einzelnen Menüs. Das zuvor angesprochene Multitasking lässt sich somit effizient bewältigen.

Überleben als Suchtfaktor

Anfangs ist es für einen neuen Spieler noch ein gewisser Overload an Informationen. Man weiß noch nicht genau, was die wichtigsten Faktoren für das Überleben sind. Nach und nach führt ein Tutorial mit Infotexten durch die verschiedenen Faktoren und erklärt ausführlich die einzelnen Funktionen. Zwischendurch gibt es ab und an auch Zwischensequenzen. Diese hätte man sich vielleicht eher gespart, da sie nicht sonderlich bildgewaltig sind und eher starr wirken.

Innerhalb doch recht kurzer Zeit hat man sich bereits in das Spiel hereingedacht und trifft eine Entscheidung nach der Anderen. Die Steuerung wird immer natürlicher und man trifft ganz intuitiv neue Entscheidungen. Hier geht das Tutorial und der simple Spielmechanismus mit ausreichend Tiefe  sehr gut auf.

So spielt man schnell Mal über Stunden und merkt beim Überlebenskampf gar nicht, wie die Zeit im echten Leben vergeht. Man fiebert regelrecht mit, wenn es Mal ein paar Tage so richtig kalt wird und die ersten Personen Frostbeulen bekommen oder sogar nach und nach sterben. Da hilft nur ein guter Vorrat an Kohle für zusätzliche Heizungen und Hoffen auf wärmeres Wetter. -30 °C sind da im Gegensatz zu -70 °C ein wahrer Segen.

Neben der Hauptstory

Haben wir das Hauptszenario nach ca. fünf bis sieben Stunden durchgespielt, warten noch drei weitere Szenarien auf uns. Je nach Entscheidungen und Spielstil kann das Spiel auf verschiedene Weisen enden. Das ist spannend und belohnt bzw. bestraft auch ein wenig für die getroffenen Entscheidungen. Die drei weiteren Szenarien unterscheiden sich tatsächlich sehr von der vorigen Story. Hier gibt es andere Ziele und Bedingungen, die es zu erreichen gilt. Dazu wartet noch ein Endlosmodus auf uns. Dort kann man sich zuerst seine Welt ganz nach seinem Belieben erschaffen. Die Welt wird gewählt – klein, mittel, groß, felsig und vieles mehr. Dazu kann man auch einen Schwierigkeitsgrad auswählen und sogar die einzelnen Faktoren in ihrer Schwierigkeit einstellen. Zum Beispiel kann man die Rohstoffbeschaffung erschweren oder die Gunst der Bürger wohlwollender einstellen. Dadurch kann jeder Spieler entscheiden ob er sorgenfrei, mit Herausforderung oder mit schwierigen, zufälligen Ereignissen spielen möchte.

Praktisch für Konsolenspieler: Alle bisherigen Zusatz-Updates für den PC sind bereits im Spiel enthalten. Weiterhin plant der Entwickler weitere Download-Contents mit der Zeit zu veröffentlichen. Vielleicht kommt dann ja auch noch ein Update, dass die wenigen nicht so schönen Details verbessert. So werden zum Beispiel einige der Sprechblasen der Bürger nicht komplett angezeigt – einfach weil die Schrift zu viel für die Sprechblase ist. Ein grober Schnitzer, jedoch für das Spiel nicht von besonderer Relevanz. Ebenso sind die anderen kleinen Makel nicht sehr ausschlaggebend.

 

Fazit
  • 88%
    Optik - 88%
  • 95%
    Atmosphäre - 95%
  • 91%
    Spielspaß - 91%
  • 90%
    Steuerung - 90%
91%

Fazit

Ein spannendes Endzeit-Szenario, bei der jede Entscheidung gnadenlose Folgen hat. Mit ein wenig Geschicklichkeit und Weitsicht macht der Endlosmodus seinem Namen alle Ehre. Auch die zusätzlichen Szenarien sind neben dem eigentlichen Story-Strang eine spannende Bereicherung für das Spiel. So holen die Entwickler alles aus einem bereits vorher sehr gutem Spiel heraus. Wir dürfen demnach gespannt sein, ob und welche Zusatzinhalte uns noch für das Spiel erwarten werden.

Dem Entwickler ist mit der Entwicklung das geglückt, was vielen anderen nicht gelungen ist. Eine ordentliche Portierung eines Strategiespiels vom PC auf die Konsole. Dabei glänzen sie mit intuitiver Steuerung, einem Reibungslosen Spielablauf und dem addiktivem Spielprinzip. Nur geringe Flüchtigkeitsfehler bringen dem Spiel eine sehr gute Testnote ein. Das Spiel kann jedem Strategieliebhaber, besonders reinen Konsolenspielern, nur empfohlen werden.

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