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Rustler Test: Ein würdiges GTA-Mittelalter-Abenteuer?6 min Lesezeit

Rustler: Derber Humor, harte Action und eine Art GTA im Mittelalter. Dies versprechen zumindest die Macher hinter dem Spiel. Ob der Humor zündet und Rustler einem so großem Spieleklassiker wie GTA nahe kommen kann? Alles dazu in unserem Rustler Test.

Mittelalter hautnah

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Die Entwickler haben sich von den GTA Spielen inspirieren lassen und das Ganze in ein Mittelalter-Setting getaucht. Das bedeutet aber keinesfalls, dass damit auch das Niveau von einem GTA geboten wird – hierzu allerdings später mehr. Insgesamt wirkt es wie ein früherer GTA-Teil. Zum Beispiel können wir anstatt Autos unseren vielen verschiedenen Pferden einen neuen Anstrich verleihen. Dabei haben die Pferde sogar verschiedene Eigenschaften wie Ausdauer, Geschwindigkeit oder Gesundheitspunkte. Und die typische Radiomusik in den Autos? Kein Problem. Wir können uns nämlich Barden mieten, die uns mit verschiedenen Mittelalter-Hiphop-Songs akustisch beschallen.Rustler_Screenshot_1

In der Hauptstory spielen wir den Charakter „Guy“. Aus einfachen Verhältnissen kommend und auch mit dem Gesetz im Konflikt, möchte er das große Mittelalterturnier gewinnen. Denn es gibt nicht nur Ruhm und Reichtum zu gewinnen. Auch die Hand einer Holden ist im Preisgeld enthalten. So machen wir uns auf die Reise, um als einfacher Mann am Turnier teilnehmen zu dürfen – meist durch verschiedene kriminelle Aktivitäten, wie zum Beispiel dem Fälschen von Papieren.

Das Spiel fängt bereits mit einem recht humorvollem Tutorial an. Wir haben uns ein Bier zu viel gegönnt und müssen jetzt erstmal wieder das Laufen lernen. Danach geht es natürlich wieder weiter mit dem Trinken. Kurz gehalten und ohne große Umschweife werden wir so in die Hauptstory entlassen. Das ist angenehm und wir merken kaum, dass wir uns bereits mitten im Spiel befinden.

Lustig, aber holprig

Eigentlich haben sich die Macher eine Menge Mühe in der atmosphärischen Gestaltung gegeben. So hat Rustler eine eigene Note, indem Dialoge, Witze, Missionen und mehr aufeinander abgestimmt wurden. Diese Symbiose an Inhalten fühlt sich rund an. Außerdem finden wir durchweg diverse Anlehnungen und Insiderwitzchen zur Popkultur, wie beispielsweise andern Spielen oder Filmen, was den Humorfaktor weiter erhöht. Allerdings wird diese Atmosphäre – und alles was dazu gehört – häufig durch technische Patzer und Bugs zerstört. Da hilft übrigens auch nicht der letzte Patch von Ende September 2021.

Generell hat das Spiel viele eigene Noten, was generell zu begrüßen wäre. Manches davon ist aber wenig durchdacht. Die Speicherpunkte sind eine Katastrophe und führen zu vielen nervigen Momenten, in denen man sich durch etliche Dialoge kämpfen muss, die man bereits kennt. Außerdem bleiben wir ständig an Gegenständen, NPCs oder Bäumen hängen und müssen uns mit der hakeligen Steuerung wieder herauskämpfen. Da macht es die „fast-Vogelperspektive“, die einfach nur einen seltsamen Blickwinkel hat, auch nicht einfacher. Woran die Entwickler scheinbar nicht gedacht haben: Ein Rückwärtsgang hätte beim Reiten schon viel geholfen.

Technischer Problemfall

Wir haben Rustler auf der Playstation 5 getestet. Die Ladezeiten sind kaum vorhanden. Grafisch wäre gerade auf der Next-Gen jedoch noch Luft nach oben gewesen. Die Open-World ist generell limitiert und kaum interaktiv. Eine Playstation 4 oder ein schwächerer PC sollte somit kaum an seine Grenzen kommen. Es gibt häufig Bugs, welche ein erneutes Laden des Spielstands erfordern. Der bisherige ungespeicherte Fortschritt ist dann natürlich weg. Das gilt nicht nur für die freie Spielwelt. Auch Missionen oder Minispiele sind verbuggt.Rustler_Screenshot_2

Manches hingegen ist herrlich unkompliziert umgesetzt und erhöht so den Spielspaß. Zwar folgt es nicht gerade logischen Regeln oder ist optisch sonderlich ästhetisch, aber im Folgenden ein Beispiel. In einer Mission sollen wir Leichen auf einen Leichenwagen aufladen. Jetzt könnte man mühsam aus dem Wagen aussteigen, die Leiche verladen und weiter fahren. In Rustler müssen wir jedoch einfach über die Leiche mit dem Wagen fahren und schon ist diese eingeladen. Gerade bei einem technisch wackeligen Spiel mit ungenauer Steuerung wie Rustler, macht es den Spielfluss etwas flüssiger. Leider gibt es von solchen praktischen Ungenauigkeiten zu wenige im Spiel.

Sidequests. Oder: Wie strecke ich ein Spiel?

Schnell fällt auf, dass sich Rustler in Sachen Spielumfang stark von GTA unterscheidet. Nicht nur die Spielwelt ist kleiner und weniger lebendig. Auch die Sidequests können keine wirkliche Spannung aufbauen und sind eher Spielerbeschäftigung. Denn die Inhalte erstrecken sich meist in große (und wie beschrieben nervigen) Reitpassagen, ein paar Auftragsmorden oder Sammelaktionen. So sind die Sidequests deutlicher langweiliger als die Hauptstory und wiederholen sich schnell. Durch die absolut schlecht gesetzten Checkpoints zieht sich das Ganze zusätzlich, da komplette Dialoge und Reitwege nach dem Tod mehrmals bestritten werden müssen.

Die verschiedenen sammelbaren Objekte in der Spielwelt bringen keinerlei Vorteile und sind eher lieblos in der Welt verstreut. Immerhin: Die Spieldauer ist mit ungefähr 15 bis 20 Stunden durchaus vorzeigbar. Die Hälfte davon fällt allerdings auch auf die zähen Sidequests und die schlechten Checkpoints zurück. Wenig Inhalt für viel Spielzeit also. Das Spiel ist auf dem PC, der Nintendo Switch sowie Playstation- und Xboxkonsolen verfügbar.

Wertung
  • 70%
    Grafik - 70%
  • 70%
    Atmosphäre - 70%
  • 65%
    Spannung - 65%
  • 60%
    Steuerung - 60%
  • 50%
    Technik - 50%
63%

Fazit

Ein GTA im Mittelalter klingt zunächst nach einer sehr guten Idee. Wie im Test klar wird, ist GTA hier aber eher nur die Inspiration und nicht ein Ebenbild. Technisch sowie Storytechnisch befinden wir uns weit unter GTA und auch unter Saints Row.

Einige Ideen sind gelungen von verschiedenen GTA-Teilen ins Mittelaltersetting umgewandelt worden. Die meisten der von den Entwicklern eigens umgesetzten Ideen sind jedoch kläglich gescheitert. Hinzu kommt eine hakelige Steuerung, in einer schlechten Spielwelt mit noch schlechteren Checkpoints. Das kostet in der Wertung viele Punkte und trübt den Spielspaß gewaltig.

Richtig gelungen ist einzig der Haudrauf-Humor. In stumpfer, aber dennoch humorvollen Monty Python-Manier, werden diverse Anspielungen erfolgreich umgesetzt. Leider kann von Humor alleine kein Spiel leben.

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