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TEST Those Who Remain – Zwischen Licht und Schatten

Story & Technik

Those Who Remain nimmt uns gleich zu Anfang durch eine recht krasse Szene direkt mit ins Spielgeschehen. Viele Fragen sind ungelöst, einige Dinge kann man erahnen. Man möchte mehr erfahren. Gefolgt von einer erst Mal recht langweiligen Suche nach einer Liebschaft geht es mit der Story richtig los. Man ist auf sich gestellt, alleine, im Dunkeln und ohne irgendwelche Hilfsmittel. Nach und nach trifft man auf seltsame Persönlichkeiten, die das Storypuzzle immer weiter aufdecken und neue Stränge einbauen. Insgesamt ein schönes Storysetting und ein gleitender Lauf durch selbige machen das Spiel atmosphärisch.

Die Steuerung ist eingängig und wird auch nach und nach an den Spieler herangeführt. Sonderlich viele Tasten sind auch nicht belegt. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die sehr langsame Sichtgeschwindigkeit. Das Drehen geht verhältnismäßig langsam vonstatten, was leider auch zu nervigen Laufpassagen führt – zum Beispiel in mehrstöckigen Treppenhäusern.

Those_Who_Remain_Screenshot_1Der Psycho-Thriller ist mit einer kompletter deutschen Synchronisation ausgestattet. Die Sprecher sind meist gut gewählt und sind stimmig im Gesamtbild. Kleinere Patzer in der Synchro hier und da kann man dann schon verzeihen.

Das Spiel unterstützt HDR und ist auch, bei den passenden Helligkeitseinstellungen, schön anzusehen. Gelegentliche Einbrüche der Framerate sind etwas ärgerlich und zerstören besonders beim Umsehen das Gesamtbild.

„Bleib im Licht…“

Das Prinzip von Those Who Remain ist recht einfach erklärt. Das Licht gibt eurem Charakter namens Edward Sicherheit. Im Dunkeln lauern unheimliche Gestalten. Kommt man ihnen zu Nahe bzw. geht ins Dunkle, stirbt man direkt. Ärgerlich dabei: Die Savepoints sind unnötig selten verteilt. So muss man langweilige Laufpassagen teilweise mehrfach absolvieren.

Apropos Laufen. Ein nicht geringer Teil des Spiels besteht aus dem Grundpfeiler Laufen. Der andere wäre das Lösen von Rätseln und das Finden von Gegenständen. Viel mehr als diese Elemente bietet das Spiel leider nicht. So kann es stellenweise doch recht eintönig werden. Etwas Schwung kommt ins Spiel, wenn man eigene Entscheidungen treffen darf. Diese beeinflussen das tatsächliche Spielgeschehen und sind zum Teil wirklich schwierig zu wählen.

Die recht knackigen aber selten cleveren Rätsel machen im Spiel den Hauptteil aus. Meist ist das kreativste der Ort, an dem Schlüssel oder andere wichtige Gegenstände versteckt sind. Da muss man auch schon Mal mehrere Räume komplett auf den Kopf stellen und unter Kisten, in Schubladen und weiteren Orten suchen. Ist eines der langwierigen Rätsel gelöst und der nächste Storyfetzen wird präsentiert, freut man sich.Those_Who_Remain_Screenshot_2

Durch das viele Suchen macht man dabei auch einige Fehler. Dies führt teils zu Toden, was dann in den bereits erwähnten schlecht gesetzten Savepoints endet. Generell hat das Spiel einige Anteile von „Trial-and-Error“. Andererseits schön dabei: Viele Gegenstände sind interaktiv. So wirkt Those Who Remain lebendiger. Fans von Schlauchleveln kommen daher nicht auf ihre Kosten. Einfaches „Durchrennen“ ist hier nicht möglich.

Zwischen den Welten

Ein weiterer schöner Gedanke als Spielidee ist die Aufteilung in zwei Welten. Immer wieder wechselt ihr in den Welten hin und her, um in der „Realität“ Dinge zu ändern, die sonst nicht möglich wären. So entstehen eigene Rätsel und Erzählmöglichkeiten. Besonders oft trifft man in diesen speziellen Welten auf eine Art Riesenmonster. Die Devise ist: Verstecken, Schleichen und vorsichtig sein. Wird man erwischt, kann man sicher von einem Neustart am letzten Checkpoint ausgehen. Das ist leider selten spannend, sondern eher nervig. Besonders, weil der Charakter nicht sonderlich wendig ist und Flüchten alleine schon durch die träge Steuerung erschwert ist.

Das Konzept mit den simplen Mitteln zu überleben ist leider recht langweilig und eintönig umgesetzt. Es muss viel gerannt werden und Dinge gesucht werden. Außer den paar Storyfetzen zwischendurch passiert nicht viel mehr im Spiel. Das geringe Budget für die Indie-Entwickler macht sich leider des Öfteren bemerkbar. Da helfen die im Grunde guten und kreativen Ideen auch nicht sonderlich weiter. Der Preis von ca. 20,- EUR ist dem Spiel immerhin recht angemessen.

Vieles in der Welt ist interaktiv und es gibt sehr viele Schränke mit Türen und Schubladen im Spiel. Letztlich muss auch jede davon geöffnet werden. Zu 95 % ist kein Inhalt drin. In den anderen 5 % sind wichtige Hinweise, meist in Briefform, zu finden. Zum Thema Hinweise: Diese sind rar gesät und meist ebenfalls in den teils knackigen Rätseln gegeben. Hier muss viel durch Probieren herausgefunden werden.

Weiteres zu Those Who Remain

Zur Erheiterung zwischendurch sorgen auch Eastereggs im Spiel. Das kann beispielsweise ein Poster in einem Jugendzimmer sein, auf dem ein Spiel von Entwickler Camel 101 zu sehen ist. Hat man eines der schwierigen Rätsel gelöst – oder auch wenn man nur einen Schritt weiter ist – ist die Freude dafür meist groß. Bis dahin war es ein ganzes Stück Arbeit und man ist stolz auf sich. Leider wäre der Gedanke, dass es danach geschmeidiger vorangeht, ein Trugschluss.

Those Who Remain ist am 28. Mai 2020 digital auf Playstation 4, Xbox One und PC erschienen. Die physischen Versionen sind ab dem 10. Juli 2020 erhältlich. Eine Version für die Nintendo Switch folgt voraussichtlich im Sommer 2020.

Wertung
  • 55%
    Grafik - 55%
  • 70%
    Atmosphäre - 70%
  • 60%
    Spannung - 60%
  • 35%
    Steuerung - 35%
55%

Fazit

Those Who Remain hätte ein fantastisches Spiel werden können. Die Ideen und kreativen Ansätze waren gut. Leider haben sie sich zum Teil nicht durchgesetzt oder sind schlichtweg durch die schlechte Technik oder Steuerung zerstört worden.

Besonders das Treffen von Entscheidungen für den weiteren Verlauf mit Gewissenskonflikten ist ein gerne gesehens Element. Auch das Spielen und Rätseln zwischen zwei Welten sowie das Spiel von Licht und Schatten waren gute Ansätze. Aber hier steht sich das Spiel selbst in gewissem Sinn selbst im Weg.

Neben ein paar Patzern in der Synchro ist das Spiel bis auf die Technik recht ordentlich abgeliefert. Keine großen Bugs oder Unstimmigkeiten sind festzustellen. Das Team scheint sich bei der Umsetzung Mühe gegeben zu haben. Auf der anderen Seite wirkt es im Gameplay dann nicht nach sonderlicher Bemühungen für einen runden Horror-Thriller. Auch der Gruselfaktor ist recht niedrig anzusetzen.

Das Spiel ist wohl nur für Indie-Fans zu empfehlen, die keine Probleme mit „unrunden“ Spielen mit schlechter Steuerung haben. Ein zweiter Teil mit weniger Fehlern wäre tatsächlich recht begrüßenswert, da die Entwickler das Potenzial für ein solches Spiel zu scheinen haben.

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