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Duru – About Mole Rats and Depression: Atmosphärisches Indiegame im Test9 min Lesezeit

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Was passiert, wenn plötzlich alle Farben der Bilder an Kraft verlieren? Sie werden nicht grau, aber ein Rot ist nicht mehr so intensiv, wie es früher war. Oder der Kaffee schmeckt auf einmal etwas fader als sonst, obwohl nichts verändert wurde. Twisted Ramble Games haben sich diesem Phänomen angenommen und versucht es spielerisch darzustellen. Erschaffen wurde so Duru – About Mole Rats and Depression und wie der Titel schon verrät, ist dies ein schwereres Thema. Solltest Du Dich aktuell emotional nicht stabil fühlen, empfehlen wir, diesen Test nicht oder zu einem anderen Zeitpunkt zu lesen.

Ein wenig mehr Stress – Erste Eindrücke

Der Grafikstil von Duru – About Mole Rats and Depression fällt bereits am Anfang auf. Wie in einem Gemälde lachen uns die Sandgräber entgegen und verrichten ihre Arbeit. Diese Fröhlichkeit wird nur noch mit der Musik selbst untermalt. Voll positiver Energie starten wir in das Spiel hinein und durchleben das Tutorial in Form eines Traumes.

Kompliziert ist es aufgrund der simplen Spielmechaniken her nicht. Steine aufheben und auf Druckplatten legen, Schalter umlegen und gezielte Sprünge auf einer zweidimensionalen Ebene absolvieren wirkt recht simpel. Doch bald müssen wir sogar Trickwürfe mit den Felsen absolvieren.

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Die meisten Level sind sehr geradlinig.

Wir träumen von unserer Familie und unseren Freunden und erhalten ganz ohne Sprache oder Text, nur mit Gedankenblasen und Bildern, eine Idee für die Geschichte. Wir spielen einen sehr kreativer Nacktmull und unser Lieblingswerkzeug ist der Pinsel. Auf dem Weg treffen wir einige große Statuen von unseren näheren Bekanntschaften und erhalten so auch einige Informationen über die Stände in der Kolonie. Beispielsweise ist der Lagerwärter eine sehr strenge Person und hat nur Zahlen im Kopf, während wir einen größeren Mull anhimmeln, da er mehr tragen kann. Schnell wachen wir jedoch von unserem Traum auf, da uns plötzlich ein böser Schatten verfolgt.

Nach dem Aufwachen klopft es an unserer Tür und wir werden vom Geschwisterchen des Lagerwärters begrüßt. Bildlich wird verständigt, dass es Frühstück gibt. Und das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Man kann sich recht schnell im Dorf orientieren und wir finden auch den gedeckten Tisch. Aber die Zeit drängt ein wenig, denn der Winter steht vor der Tür und wir müssen in die Minen, um Rüben zu sammeln. Also springen wir mit Elan auf und machen uns an die Arbeit.

Farbe in das Leben bringen – Gameplay von Duru – About Mole Rats and Depression

Das erste Level erklärt ein weiteres Mal die Grundsteuerung. Aber auch der Umgang mit dem Pinsel, denn wir können fortan mit diesem einen kleinen Stein zum Werfen und einen größeren Felsen erzeugen, auf dem wir uns draufstellen können.

Über das ganze Level hinweg sind Rüben verteilt, die wir aufsammeln können. Sollten wir eine nicht sofort mitnehmen oder übersehen, ist dies nicht so schlimm, denn wir können nach dem Beenden die Level in beliebiger Reihenfolge erneut bestreiten. Ab der dritten Aufgabe wird allerdings alles ein wenig schwerer.

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Mit einem einzigartigen Zeichenstil zieht uns Duru schnell in seinen Bann.

So wie wir von unserer ersten kleinen Mission zurückkommen, bringen wir alle gesammelten Rüben zum Lager, wo wir mitbekommen, dass jemand vor uns eine nicht mehr ganz so frische hineingeworfen hat. Unbekümmert von dieser Beobachtung präsentieren wir stolz alle, die wir gefunden haben. Doch reicht dies dem Aufseher nicht. Er erklärt, dass andere, größere, mehr gebracht haben und bezichtigt uns als faul.

Wir gehen wieder zu unseren Freunden und reden uns aus. Reden hilft bekanntlich gegen Stress und eröffnet auch neue Blickwinkel. Beruhigter gehen wir in die Nacht, doch leider ist diese etwas kürzer. Die schlechte Rübe war mit Würmern übersät und die haben das ganze Lager aufgefressen. Wir müssen nun härter arbeiten, sonst hungert der ganze Stamm.

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So gehen wir an diesem Tag nicht einmal, sondern zweimal in die Minen und sammeln alles ein, was wir finden. Bedauerlicherweise finden wir nicht nur Nahrung, sondern auch ein Wesen, das aus unseren Gedanken geformt wird.

Unser ewiger Begleiter – Die Depression

Die Ereignisse spuken in unserem Kopf herum und manifestieren sich langsam. Auf einer Anhöhe erscheint eine dunkle Bestie mit einer Maske und starrt uns an – ob wir wollen oder nicht. Diese ist nun unser weiterer Begleiter und die spielerische Darstellung unserer Belastung. Nicht nur, dass wir permanent jemanden haben, auf den wir aufpassen müssen, er hindert uns auch noch bei der Arbeit.

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Das Leben als Nacktmull kann beschwerlich sein.

Einerseits kann das Tierchen nicht so hoch springen wie wir, darum müssen wir öfter den großen Stein erschaffen, um es auf die gleiche Ebene zu holen. Dadurch, dass diese wesentlich mehr Töpfe benötigt, schränkt es uns in unseren Möglichkeiten ein, mit anderen Situationen leichter umzugehen.

Andererseits findet es destruktiven Gefallen daran, die kleinen Steine von den Druckplatten herunterzuwerfen. Es hindert uns an der Arbeit und sabotiert uns selbst.

So wie wir den Lift wieder nach oben nehmen, fragen wir den Betreiber, ob er das Tierchen sehen kann oder nicht. Worauf die Antwort ein – für uns selbst als Spieler – ein wenig überraschendes „Nein“ ist. So wie andere unsere Last nicht sehen können, die wir auf unseren Schultern tragen, so können sie im Spiel auch nicht sehen, welches Tier bei uns ist.

Das Leben mit der Depression

Es verfolgt uns auf Schritt und Tritt, sogar wenn wir versuchen uns ins Bett zum Schlafen zu legen. Doch hält es uns mit lauten Rufen wach, so wie auch dunkle Gedanken uns wach halten können. Total übermüdet müssen wir in die nächste Mission starten und Fehler können da schon leichter passieren.

Sollten wir es jedoch schaffen, das Biest abzuschütteln, holt es uns wieder zurück zu sich, egal wo es ist. So entsteht schrittweise ein Teufelskreis, aus dem es schwer ist, allein wieder herauszukommen. Wichtig hierbei ist eine recht frühe Erkennung – wie im echten Leben auch. Generell können wir nur lobend erwähnen, dass sich Videospiele immer mehr mit dem Thema Mental Health beschäftigen.

Hilfe benötigt? Melde Dich hier!

Es gibt in allen Ländern glücklicherweise einige Anlaufstellen, an die sich sowohl Betroffene als auch Angehörige für Hilfe wenden können. Gerne stehen wir unter unseren Social Media Profilen für Anfragen zum Thema offen, raten Dir aber, Dein Leiden mit professionellen Kräften zu besprechen!

Österreich: „Rat auf Draht“ https://www.telefonseelsorge.at/

Deutschland: die „Deutsche Depressionshilfe“ https://www.deutsche-depressionshilfe.de/start

Schweiz: „Equilibrium“ https://www.depressionen.ch/notfall

Wertung
  • 89%
    Grafik - 89%
  • 100%
    Atmosphäre - 100%
  • 86%
    Spannung - 86%
  • 75%
    Steuerung - 75%
  • 65%
    Technik - 65%
83%

Fazit

Eine großartige Geschichte, die jedoch hinter einigen Spielfehlern versteckt wird. Schon die ersten Stunden erklären – mit etwas mehr Reflexion – recht gut, was es bedeutet unter Depressionen zu leiden. Duru – A Game about Mole Rats and Depression ist am 8. Mai 2023 erschienen und kann ein wenig Licht auf ein solch dunkles Thema werfen.

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